Da war er also da, der Tag unserer ersten WM-Quali.
Er fühlte sich gar nicht so besonders an.
Außer der Tatsache, daß ich –gefühlt- die ganze Nacht nicht geschlafen hatte
und zudem ständig den Wecker kontrollierte, um auch ja nicht zu verschlafen,
hatte Leeroy die Nacht friedlich schlummernd in seiner Box verbracht.
Der ahnungslose kleine Wicht.
Auch am Morgen war er nicht davon zu überzeugen, dass heute ein besonderer Tag sei, egal wie sehr ich ihn verrückt machte, weil wir zur WM-Quali fahren würden.
In der Reithalle angekommen, suchten wir uns erst mal ein schönes Plätzchen und warteten auf die Dinge, die uns bevorstanden.
Zunächst durften die Large- und Medium-Hunde in den Parcour und Leeroy konnte sich warm eingepackt bis zum Mittag noch ausruhen.
Nachdem ich mir „unseren“ A-Parcour angeschaut hatte blieb mir noch genug Zeit zur Vorbereitung.
Sichtlich eingeschüchtert, durch die strengen Vorgaben, wie man sich bei WM-Qualis im Vorbereitungsring zu verhalten hatte, musste ich feststellen, dass irgendwie nicht so wirklich ein Vorbereitungsring vorhanden war.
Alle um uns herum benahmen sich wie bei jedem anderen Turnier auch.
Also...durfte ENTE raus und Leeroy spielte sich erst mal warm.
Nachdem die Generalprobe bei unserem ersten Turnier dieser Saison vor 2 Wochen mit zwei Disqualifikationen „gut“ verlaufen war (Generalproben müssen ja in die Hose gehen!)...war ich gespannt, wie Leeroy sich bei diesem Turnier zeigen würde.
Das dass gleich die WM-Quali sein musste war schlecht geplant, aber nun auch nicht mehr zu ändern.
Wir hatten auch im Winter trainiert, aber für Löle sind Turniere immer noch etwas besonderes und herrlich aufregendes.
Zu meiner eigenen Überraschung, sehr entspannt, gingen wir an den Start zum 1.Lauf.
Leeroy stand ruhig an meiner Seite...
war das die Ruhe vor dem Sturm?
Ich setzte ihn ab und begab mich zu meiner Startposition.
Er bellte.
Vermutlich war ich etwas zu unsicher oder zu langsam unterwegs,
denn er legt einen leichten Frühstart hin, als ich mich an meiner Startposition umdrehte.
„Jetzt geht’s tatsächlich los!“
Die erste Gerade aus 3 Sprüngen nahm er mit vollem Galopp.
Die Kurve zur Mauer brachten wir auch noch hervorragend zu Stande,
aber kurz vor der Mauer brach Raketen-Löle aus, als wäre seine Sicherung durchgebrannt.
„Oh, ein Laufsteg....oh, ein Tunnel...
aber was zum Henker soll ich mit dem weißen Klotz?
Etwa drüber springen?
Lächerlich!
Ich nehm’ lieber was anderes.“
Er nahm die Mauer nicht an und drehte eine Runde um das Gerät.
Ich...*schwitz*
sichtlich bemüht, Bodenlenkraketenlöle wieder unter Kontrolle zu bringen
konnte uns gerade noch retten.
(„Man“ hat ja mittlerweile Übung in diesen Aktionen!)
Ich machte mir noch keine großen Sorgen.
So was kann ja mal passieren.
Sein zweiter Vorname ist halt „Mr. Unberechenbar-Kreativ“.
Und er ist halt immer noch ein „Kleiner“, mein Kleiner.
Deshalb kann ich ihm diese Ausbrüche gut verzeihen...dieses Jahr noch!
Nachdem Leeroy sich dann doch entschlossen hatte,
das lächerliche Gerät, was ich als Mauer bezeichnete, zu überspringen,
waren wir wieder auf dem Parcour.
Vielleicht wollte er auch nur mal eine Runde in die Zuschauer winken
Oder es hat ihn vielleicht ein Floh gebissen,
jedenfalls zeigte er mal wieder, dass ich mir schon was einfallen lassen musste,
um ihn in der Spur zu halten.
Wir flogen weiter über den Doppelsprung und weil kleine Papillons bekanntlich schneller fliegen, als manch einer laufen kann,
hatte er schon nach dem Doppelsprung wieder einen halben Meter Vorsprung.
(Rakete...nicht vergessen!!!)
Ich...
steckte vermutlich irgendwie zu lange im Sand fest und
versuchte nur noch mit dem Gegenarm ihn über den Weitsprung zu drücken,
aber da war er schon abgebogen und drum herum gelaufen und tanzte herum.
„Was jetzt?... Was jetzt?“
Ehe ich eine Rettungsaktion starten konnte und meine Füße und Arme sortiert kriegte, kam Löle schon über den Weitsprung zurückgehüpft und
wir waren disqualifiziert.
Na super!
Der Parcour war wirklich nicht schwer gewesen
und wir benahmen uns wie die absoluten Anfänger.
Sind wir ja auch!!! ;o))
Ich holte Chaoten-Löle zu mir ran.
Er hüpfte immer noch wie ein durchgeknalltes Duracell-Häschen um mich herum
und ich stoppte ihn erst mal komplett.
Wir diskutierten kurz über unsere missliche Lage:
„Hallo!
Jemand auf Empfang da unten?
Kannst DU mal B-I-T-T-E aufpassen!!!“
Die Antwort kam natürlich promt:
„Ja, I-C-H bin schon lange hier,
aber könntest DU mal anfangen zu laufen?“
Zähneknirschend setzte ich unser Team wieder in Gang
und dann lief es auf einmal gut.
Nach dem Weitsprung –diesmal in richtiger Flugrichtung- bogen wir ab
in den Sacktunnel, Slalomeingang, 100°, perfekt, Wippe, weg, Sprung, zu mir, Wand, Tunnel ...etc. etc...
Beide auf high-speed-„Dubbing“ fehlerfrei durch den Rest des Parcours.
Aber das nutze ja dann auch nichts mehr.
Leeroy bekam nach dem Lauf trotzdem seinen Keks und
er trug auch ENTE nach Hause.
Keine Diskussionen mehr.
Ich hätte von Anfang an da sein sollen.
Während ich mir Gedanken darüber machte, dass es ja nun mal eine
WM-Quali ist, die wir da laufen,
war es für ihn nur irgendein Turnier und vermutlich hat er nicht verstanden,
warum wir nicht über den Platz sausen wie sonst auch.
Ich nahm mir also vor, beim nächsten Lauf wieder zum altbekannten Spektakel
am Start zurückzukehren
(und evtl. Diskussionen über die „Teamleitung“ schon vorher mit ihm zu führen!)
;o)
|