LEEROY & die BH
 

 

Gestern, am 04.12.2005, war es „endlich“ soweit.

Leeroy und ich konnten an einer Begleithundprüfung teilnehmen.

Beim RZV für Hovawarte in Dortmund-Aplerbeck hatten wir uns zur Prüfung angemeldet.

Nemo hatte 2001 bei einem RZV für Hovawarte in Ostwestfalen
und Faye hatte 2003 in Dortmund-Aplerbeck die Prüfung abgelegt.

Es ist schon fast eine kleine Tradition, dass wir beim RZV für Hovawarte die Begleithundprüfung machen.

Für Leeroy hatte ich jedoch, zu meiner eigenen Beruhigung, geplant
am 27.11.05 an einer Begleithundprüfung beim PSK in Letmathe teilzunehmen.
Für den Prüfungstag war „etwas“ Schnee vorausgesagt.
Leider wurde aus dem „etwas“ Schnee fast eine Jahrhundertereignis.
Als wir am 27.11.05 morgens aus der Haustür traten, verschwand Leeroy bis zu den Ohren im Schnee.
42 cm Schnee und ein Papillon von ca. 34 cm...
die Prüfung war natürlich abgesagt.

Schnee am Prüfungstag

Zum Glück hatten wir ja noch den Prüfungstermin am 04.12.05 beim RZV eine Woche später.

Leider sollte auch an diesem Wochenende das Wetter nicht zu unseren Gunsten mitspielen. Es war ein regnerischer und matschiger Tag.
Die Richterin erlaubte sogar, dass Leeroy sein „Wintermäntelchen“ trägt, aber vor Beginn unserer Prüfung setzte der Regen aus und wir wollten auch ohne Mäntelchen bestehen und ich hegte die Hoffnung, dass wir mit etwas Glück trocken durchkommen würden.

Leeroy war fröstelnd motiviert und so betraten wir optimistisch den Platz.

Bereits bei der Anmeldung machte Leeroy deutlich, dass er nichts davon hielt, sich in den nassen, teilweise matschigen Boden zu setzen.

"Na, dass kann ja heiter werden."

Kontinuierlich verweigerte er das „sitzen“ bei jeder Grundstellung.

Der kleine Hund weiß halt, was er will.
(besser: Was er NICHT will!)

Auch mit einem zusätzlichen Sitzkommando deutete er nur ein minimales Knicken in den Knien an, stellte sich danach aber sofort wieder auf.

Nun...es gab nur zwei Möglichkeiten:
Entweder Leeroy einmal kräftig anmaulen, in der Hoffnung, dass er sich dann „unterordnet“ und vernünftig hinsetzt (dabei würde ich aber Gefahr, dass er gar nicht mehr mitarbeitet...und ich kenn ja meinen Hund!)
oder
ihm seinen „Dickkopf“ lassen , aber dafür die Hoffnung haben, dass er weiter mitmacht und nicht in den völligen Streik tritt.

Ich entschied mich für die zweite Möglichkeit und das in meinen Augen geringere Risiko, korrigierte ihn lediglich durch ein zusätzliches Sitzkommando und ließ ihm das angedeutete Sitz durchgehen.

Wir trotteten über den Platz und zeigten den (Wetter)-Umständen entsprechend, was möglich war.

Leeroy zeigte nicht einmal seine typische Begeisterung bei der „Arbeit".
Auch hatte er nicht ein einziges mal Lust, mich freudestrahlend anzubellen.
In diesem Moment hat es mir tatsächlich gefehlt.

Er war wirklich nicht begeistert von der ganzen Aktion, aber hielt standhaft (im wahrsten Sinne des Wortes) an meiner Seite durch und machte alles, außer sich tatsächlich hinzusetzen.

Bei der „Sitz-aus-der-Bewegung“-Übung war mir bereits in der Entwicklung klar, dass Leeroy sich nicht setzen wird.

Nun...entweder ich muß ein Doppelkommando geben und stehen bleiben
und durchsetzen, dass er sich hinsetzt.
Aber mir war klar, dass er dann trotzdem aufstehen würde, sobald ich mich auf den Weg machen würde, mich die 30 Schritte von ihm zu entfernen
oder
ich würde es darauf ankommen lassen und einfach ein „Steh-aus-der-Bewegung“ zeigen.
In diesem Fall war ich mir sicher, dass Leeroy die Übung wiedererkennen würde und sie in sofern nur für sich umwandeln würde.

Im Zweifel also
...arbeiten wir zusammen und nicht gegeneinander.

Leeroy hat ein perfektes Steh gezeigt und standhaft (wieder im wahrsten Sinne des Wortes) gewartet, bis ich ihn wieder abgeholt habe.

Die nächste Hürde war dann die Übung „Platz-aus-der-Bewegung“.

Nun...es gab eh kein Zurück mehr, denn wir waren ja mitten in der Prüfung
und so war ich selbst gespannt, was Leeroy sich wohl bei dieser Übung einfallen lassen würde.
Nach einem kräftigen und bestimmenden Platzkommando (ich hab wirklich alles gegeben) hat sich mein kleiner Held vollends ins Platz geworfen (...ganz langsam...)
und ist bis zum Abrufen liegen geblieben.
Da war ich ja schon stolz auf ihn.

Nach dem Heranrufen hat er jedoch nur ein schönes Vorstehen und kein Vorsitzen gezeigt.
Er ist ja konsequent, dass muss man ihm lassen.

Den Umständen entsprechend war ich bis zu diesem Teil der Prüfung zufrieden und alles würde nun vom Abliegen abhängen, da war ich mir sicher.

Leeroy legte sich ohne große Diskussion hin und ich entfernte mich die geforderten 30 Schritte und fing an zu beten (denn sehen konnte ich ja nicht, was der Hund hinter meinem Rücken tut).

Wer auch immer für das Wetter verantwortlich war, er wollte uns auf jeden Fall noch einmal testen.
Es begann wieder zu regnen.
Es tropfte mir von der Kapuze ins Gesicht und ich verfiel in ein gedankliches Mantra: „bleib-liegen-!-bleib-liegen-!-bleib-liegen-!-...“

Nachdem der andere Hund das Schema abgelaufen war, bekam ich das Zeichen meinen Hund wieder abzuholen.
Zwischendurch hatten die Zuschauer am Zaun des öfteren gelacht und ich war mir nicht sicher gewesen, was Leeroy eventuell zum Besten gegeben hatte.
Zweimal blieb mir deswegen fast das Herz stehen.

Ich drehte mich um... und Leeroy lag.

Die wunderschönen Ohrenfransen klebten zusammen und das Wasser tropfte von seinen Ohren herab.
Er sah wahrlich aus, wie ein begossener Pudel...
aber er lag an seinem Platz und schaute mich fast ungläubig an, als wollte er sagen

„Bist Du jetzt endlich fertig mit dem Unsinn ?“

Ich stellte mich neben ihn
und zum ersten und einzigen Mal an diesem Tag,
machte er, nach der entsprechenden Aufforderung,
sein schnellstes und schönstes SITZ.

In der Gesamtwertung hatten wir irgendwie bestanden,
auch wenn wir leider nicht zeigen konnten, wie fleisig wir an den einzelnen Übungen gearbeitet hatten und wie wunderschön auch ein kleiner Hund diese Übungen ausführen kann.

Aber so ist das nun mal auf Prüfungen.

Er ist trotzdem mein kleiner Held, weil er so tapfer an meiner Seite geblieben ist (ohne ein einziges Leckerchen !!!).
Schließlich hätte er sich auch entscheiden können gar nicht mitzumachen.

Ich vermute, dass doch sein Kampfgeist durchgekommen ist, weil er gemerkt hat, dass es an diesem Tag um etwas besonderes geht.

Oder interpretiere ich da wiedereinmal etwas zu menschliches in meinen Hund ?

Das wird wohl sein Geheimnis bleiben.

Ich bin froh, dass wir die Prüfung (erfolgreich) hinter uns gebracht haben
und freue mich schon jetzt auf die ersten Agilitywettkämpfe.

Leeroy und ich sind stillschweigend übereingekommen,
dass er am Start niemals sitzen muß,
wenn er lieber stehen möchte
(und wir werden bestimmt einige verregnete Turniere erleben).

Ich bin gespannt, was er sich noch im Laufe der Zeit für die Prüfungen einfallen lassen wird.

Wenn er jedoch Abends
auf der Couch auf meinem Bauch einschläft ,
dann bleibt mir nur ein leises Schmunzeln über diesen kleinen Kerl,
der seine eigenen Ansichten so selbstsicher vertritt.

Allein schon deshalb hat er sich meinen Respekt gesichert.

Hagen-Hohenlimburg, den 05.12.2005